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4. September 2007

 

Verzicht als Chance

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Viele Religionen kennen Fastenzeiten, Christen fasten traditionell vor Ostern, aber auch in der Adventszeit. Im islamischen Ramadan wird tagsüber gefastet. Im Judentum gibt es mehrere Zeiten des Fastens und in Asien spielt im Zusammenhang mit der Enthaltsamkeit auch Yoga eine Rolle. Doch obwohl religiöse Regeln von vielen Menschen nicht mehr so wichtig genommen werden, hat das Fasten nichts von seiner Faszination verloren.

 

 

 

 

Viele Ärzte verneinen zwar nach wie vor die heilende Wirkung des Verzichts, jüngste Studien belegen jedoch, dass rheumatische Gelenkerkrankungen durch das Fasten ebenso positiv beeinflusst werden wie Migräne, Neurodermitis oder andere Hauterkrankungen. Und viele Menschen fasten regelmäßig. Franz S. Moesl leitet seit über 10 Jahren Fasten- und Yogaseminare im In- und Ausland. Er findet das Fasten "optimal, um wieder in die eigene Mitte zu kommen." Und er ermutigt Menschen, das Fasten zu entdecken: "Du musst einfach den eigenen Bedürfnissen nachgehen, wenn du den Wunsch hast, zu fasten, dann ist die Zeit auch da."

 

n-tv.de: Viele Menschen fürchten sich davor, auf das Essen zu verzichten. Da kommen Ängste vor Hunger und Mangel auf, wie kann man beim Fasten damit umgehen, dass man ja tatsächlich für eine Zeit auf etwas verzichtet?

 

Das haben oft Leute, die zum ersten Mal fasten, aber wenn du erstmal im Fasten drin bist, bist du verwundert, wie leicht es ist. Weil der Körper sich am zweiten Tag umstellt, er nimmt nicht mehr, sondern er gibt ab und er lässt los.

 

Also sind das eher Ängste von Menschen ohne Fastenerfahrung?

 

Ja, denn sobald man die Erfahrung hat, ist man eher verwundert, wie leicht das geht.

 

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Ist das Geheimnis des Fastens,  das es so schwer scheint und dann leicht ist?

Fasten hat etwas mit Selbsterfahrung zu tun, dass du dich auf dein Innerstes einlässt und sobald man das tut, wird es leicht. Fasten und beten gehören zusammen so wie essen und arbeiten. Beten darf man dabei nicht so eng sehen, sondern mehr wie ein Nach-Innen-Gehen, um zu sehen, was einen beschäftigt oder auch belastet. Durch die innere Veränderung entsteht auch eine äußere, wenn innen wieder Ruhe einkehrt, dann wird der Körper gesund, Stress und Unruhe verschwinden.

Ergänzen sich hier Fasten und Yoga?

Durch das Fasten wird der Weg nach innen geöffnet und durch das Yoga finden wir wieder den Bezug zu unserem Körper. Eine Fastenwoche ist ein ganzheitlicher Prozess, bei dem auf der einen Seite viel Ruhe auf der anderen viel Aktivität notwendig ist. Das ist für mich Wandern und Yoga. Die Teilnehmer haben nach einer Fastenwoche eine viel bessere Kondition als vor dem Fasten.

Was passiert da im Körper? Obwohl ihm keine Energie über Nahrung zugeführt wird, kann der Organismus offenbar jede Menge Kraft mobilisieren?

Das hängt mit der körperlichen Umstellung zusammen, ab dem zweiten Fastentag stellt sich der Körper um, er gibt alle Stoffe ab, die ihn belasten, es findet eine körperliche Reinigung statt, hauptsächlich über die Leber, aber eigentlich im ganzen Körper. Im Grunde genommen sind wir überfüttert, die Hälfte aller Krankheiten entsteht durch die Ernährung, und Fasten ist wie Urlaub für alle Verdauungsorgane. Durch zuviel essen wird unser Körper träge und müde und beim Fasten wird man eher wacher, glücklicher und gedanklich frei.

 

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Sie geben seit 15 Jahren Fastenkurse, etwa 18 Kurse im Jahr, das sind viele Menschen, die Sie beim Fasten begleitet haben. Wer kommt denn in Ihre Kurse?

Also es kommen Frauen und Männer, im Alter zwischen 18 und 80, Dicke und Dünne. In erster Linie Menschen, die eine Veränderung in ihrem Leben suchen. Menschen, die körperliche und manchmal auch seelische Leiden haben. Und sie kommen in der Regel auch immer wieder.

 

Wer einmal in Ihrem Kurs gefastet hat, macht es immer wieder?


Ich denke, weil das Fasten und das Yoga ihr Leben bereichert hat, weil sie besser erkennen können, was ihnen gut tut und wichtig ist, und weil das Fasten ihnen hilft, selbstbestimmter zu leben. Viele sagen, so eine Fastenwoche ist wie drei Wochen Urlaub für sie. Und dann merken die Leute auch, dass es ihnen körperlich besser geht.

 

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Inwiefern?

Letztes Jahr war eine Frau bei mir im Kurs, die hatte große Schmerzen überall im Körper. Und sie hat sich sehr gequält beim Yoga und auch beim Wandern, vier Monate später war sie wieder in einem Kurs, und sie hat gestrahlt und erzählt, wie alles viel besser geworden ist. Dass sie viele Gewohnheiten verändert hat, hauptsächlich Ernährungsgewohnheiten, drei Monate später war sie wieder im Kurs, sie hat Übergewicht verloren, sie hat auch Milchprodukte weggelassen. Sie hatte sich davor eigentlich schon damit abgefunden, Schmerzen zu haben, und beim Fasten hat sie gelernt oder die Kraft gefunden zu lernen, dass man das Leben jederzeit ändern kann. Es ist halt nur die Kraft notwendig, Lebensmuster zu verändern.

 

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Das ist für viele Menschen sicher viel schwerer, als eine Woche nicht zu essen.

Mein Kurskonzept ist aber nicht, dass ich sage, welches Leben oder welche Ernährungsform gut ist. Es ist mehr eine Schulung von Intuition und innerer Wahrnehmung. Wenn im Körper zum Beispiel Eiweiß fehlt, bekommt man eigentlich Appetit auf eiweißreiche Nahrung, so ist das bei Kindern jedenfalls. Lass dich nicht vom Kopf reglementieren, sondern iss, wenn du Hunger hast und trink, wenn du durstig bist. Kein Tier frisst, bis es zum Arzt muss, aber der seelisch leidende Mensch macht das. Und aus diesem Muster kommst du beim Fasten raus. Das machen das Fasten und das Yoga einfach.

Haben Sie schon jemals erlebt, dass jemand nicht fasten konnte?

Also derjenige, der den Wunsch hat, der wird fasten können, überreden kann man niemand, wenn man eigentlich keine Lust hat, dann wird man keinen Erfolg haben.

 

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Wie oft im Jahr fasten Sie denn selbst?

In der Regel drei Mal, zwei Mal 14 Tage und einmal eine Woche, so habe ich das in den letzten Jahren gemacht, ich weiß gar nicht, ob das so bleiben wird.

Und wenn Sie sich etwas wünschen könnten?

Dann hätte ich gern, dass mehr Männer in die Fastenkurse kommen, nicht nur in meine, aber auch in meine. Die Gruppen werden dann harmonischer, aber Männer finden oft über das Fasten auch wieder mehr von ihrer eigenen Kraft, ihrem Selbstbewusstsein, und das finde ich auch als Mann schön, das zu beobachten. In vielen Naturreligionen gibt es Riten für Männer oder für heranwachsende Jungen, und die sind auch oft mit Fasten verbunden. Und etwas von der Kraft, die in diesen Riten steckt, kann man gut spüren, wenn Männer fasten.

Mit Franz S. Moesl sprach Solveig Bach

 

 

 

 

 

 



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